07.08.2025 – Die EnBW will in Philippsburg einen der größten Batteriespeicher Deutschlands bauen.
Philippsburg steht wie kaum ein anderer Ort für den Wandel der deutschen Energieinfrastruktur. Wo früher Kernkraftwerke Strom ins Netz speisten, entsteht heute ein neuer Knotenpunkt für erneuerbare Energien. Die EnBW will am Standort einen Großbatteriespeicher mit 400 Megawatt Leistung und 800 Megawattstunden Kapazität errichten – ausgelegt auf die Integration volatiler Wind- und Sonnenenergie ins Stromsystem.

Im Energiepark Philippsburg möchte die EnBW einen der größten Batteriespeicher Deutschlands errichten, auf einer Fläche neben dem TransnetBW Konverter. (Quelle: TransnetBW)
Der Speicher soll überschüssige erneuerbare Energie aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Rechnerisch entspricht die Kapazität dem täglichen Strombedarf von rund 100.000 Haushalten. Damit würde Philippsburg künftig nicht nur Durchleitungsort für den norddeutschen Windstrom über die neue Gleichstromtrasse ULTRANET sein, sondern auch zentraler Speicherstandort.
Ein Baustein für ein flexibles Energiesystem
„Großbatteriespeicher haben im Energiesystem der Zukunft die Aufgabe, kurzfristig zwei Seiten miteinander in Einklang zu bringen: die wetterabhängige Erzeugungsleistung der erneuerbaren Energien und den tatsächlichen Strombedarf“, sagt Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW. Für diese Flexibilität braucht es nicht nur leistungsfähige Netze, sondern auch Infrastruktur, die schnell auf Einspeisung und Last reagieren kann.
Der Standort bietet dafür ideale Voraussetzungen: Netzanschluss, Umspannwerk und Energieinfrastruktur sind bereits vorhanden. TransnetBW, Betreiber des benachbarten Konverters, will die nötige Netzanbindung bis Mitte 2027 bereitstellen. Der Speicher könnte dann direkt an das Hochspannungsnetz angebunden werden – ohne den Umweg über zusätzliche Infrastruktur.
Marktbasierte Finanzierung
Finanziert werden soll das Projekt vollständig marktbasiert ohne staatliche Förderung. Einnahmen erwartet die EnBW aus der Vermarktung von Strommengen sowie aus dem Angebot systemrelevanter Leistungen wie Frequenzhaltung oder Redispatch. Bürgermeister Stefan Martus sieht in dem Vorhaben eine logische Weiterentwicklung des Energiestandorts: „Philippsburg ist bereits seit einem halben Jahrhundert einer der wichtigsten Standorte für Energie in ganz Deutschland. Das soll so bleiben.“
Noch steht das Projekt am Anfang. Weder Bauantrag noch finale Investitionsentscheidung liegen bislang vor. Bei einem reibungslosen Ablauf wäre eine Inbetriebnahme bis Ende 2027 möglich. Die geplante Fläche im Energiepark ist unabhängig vom Rückbau der früheren Reaktorblöcke nutzbar – ein weiterer Vorteil für das Vorhaben. (pms)